Sammlung Paul und Dora Janssen-Arts

Die Sammlung von Spitzenstücken aus Gold, Jade, Stein, Textilien und Perlmutt ist im In- und Ausland bekannt. Die Gegenstände stammen aus über 50 Kulturen von Alaska bis Chile. Sie belegen die großen handwerklichen Fähigkeiten und den Sinn für Ästhetik der amerikanischen Ureinwohner in der Zeit vor 1500. 2008 hat die flämische Regierung beschlossen, der Stadt Antwerpen die Sammlung Paul und Dora Janssen-Arts als permanente Leihgabe zur Verfügung zu stellen.

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was geschieht nach dem Tod?  Mythen und Religionen, Philosophen und Wissenschaftler suchen seit eh und je nach Antworten auf diese existenziellen Fragen. Die Antworten, die Menschen zu diesen Fragen geben, sind oft sehr unterschiedlich, zeigen aber auch überraschende Übereinstimmungen. Die Ausstellung in der 8. Etage des MAS gefasst sich im Rahmen des Themas „Leben und Tod. Über die Über- und Unterwelt.” mit der außergewöhnlichen Beziehung des Menschen zur Welt der Götter, der Ahnen und der Geister.
Die Ausstellung besteht aus drei Teilen. Die beiden letzten Teile sind anhand der Sammlung  Paul und Dora Janssen-Arts auf das präkolumbische Amerika ausgerichtet. Die Sammlung zeigt auf wunderbare Weise die unlösbare Verbindung zwischen Leben und Tod bei den Kulturen in Amerika vor der Eroberung durch die Europäer. 

Der erste Teil der Ausstellung schafft ein Bild des Schamanismus’ als universales und zeitgenössisches Phänomen. Kleidung und rituelle Gegenstände traditioneller Schamanen aus drei Kontinenten werden mit Kunstwerken eines europäischen Schamanen ergänzt. Große projizierte Filmbilder versetzen die Besucher buchstäblich in Trance. 
 
Der zweite Teil der Ausstellung „Leben und Tod. Über die Über- und Unterwelt.” nimmt das Schamanenthema wieder auf, überträgt es jetzt aber in den Kontext des präkolumbischen Amerikas. Die Entscheidung des MAS für einen thematischen Ansatz wird auch dort fortgesetzt: Die über 400 Objekte aus der Sammlung Jannsen werden nicht chronologisch präsentiert, sondern sind Teil eines Erzählstrangs. Die Geschichten illustrieren die zahlreichen Unterschiede bei den Ureinwohnern des amerikanischen Kontinents, zeigen aber auch, dass sich bei ihren Auffassungen von der Welt auffallend viele Übereinstimmungen feststellen lassen. So sehen wir beispielsweise, dass die Menschenopfer für die Gewährleistung der Kontinuität zwischen Leben und Tod eine essentielle Bedeutung hatten und Fruchtbarkeitsrituale auf dem gesamten Kontinent zwar verschiedene Formen annahmen, aber immer den Kern der präkolumbischen Lebenswelt bildeten. Feine, oft aus Gold gearbeitete Grabbeigaben spiegeln die große Bedeutung wider, die alle Ureinwohner des Kontinents von Alaska bis Chile dem Leben nach dem Tod beimaßen. Multimedieninstallationen zeigen, dass diese Auffassung auch im modernen Lateinamerika noch stark vorhanden ist, obwohl sie sich mit katholischen Traditionen vermischt hat.

 
Im dritten Teil der Ausstellung ändert sich die Perspektive des Besuchers: Während im vorigen Teil berichtet wurde, wie die Menschen im präkolumbischen Amerika lebten und vor allem dachten, zeigt der letzte Teil der Ausstellung in der 8. Etage, wie die Bewohner Europas von Antwerpen bis Spanien diese Gegenstände aus dem „fernen” Kontinent von ihrer Entdeckung bis heute betrachtet haben und wie sie diese Objekte heute sehen. Dutzende von Objekten aus Gold berichten vom Goldfieber der Conquistadores, der spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert. Skulpturen aus Keramik und Stein zeigen, wie Künstler und Sammler ab Anfang des 20. Jahrhunderts einen Blick für die Ästhetik dieser amerikanischen Gegenstände entwickelten. Verblüffende Objekte aus Jade, Perlmutt, Textilien und Federn erklären, warum die Sammler dieser präkolumbischen Kunst – darunter auch Dora Janssen – so von der Ästhetik und den handwerklichen Fähigkeiten, die diese Objekte kennzeichnen, fasziniert waren. 
Dora Janssen ergreift in der Ausstellung und in dem dazugehörigen Buch selbst das Wort: Sie erzählt von ihrer Begeisterung und Liebe für die Schönheit der präkolumbischen Gegenstände. Außerdem schaffen wir in diesem Buch Platz für das persönliche Zeugnis des „Antwerpener Venezolaners” Orlando Verde. Er erzählt, wie er sich dem gesamten Kontinent verbunden fühlt. Er erfährt „seine” Gegenstände auch als ästhetisch und ist gleichzeitig stolz auf sein eigenes kulturelles Erbe, die Vielseitigkeit und die Geschichte Lateinamerikas.
Die letzten Objekte in der obersten Ausstellungsetage des MAS belegen die wissenschaftliche Arbeit, die die Grundlage für die Ausstellungen bildet, die im MAS gezeigt werden: Ein Objekt erhält erst dank der Arbeit von Anthropologen, Historikern, Archäologen, Kunsthistorikern und vielen anderen eine Stimme und eine Geschichte. Im Fall des amerikanischen Kontinents ist das nicht immer ganz einfach. Archäologen nehmen jedoch die Herausforderung an, um „stille” Gegenstände wieder zum Leben zu erwecken.
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